Das Wichtigste in Kürze - Welche Isomatte passt zu wem?
Wer eine Isomatte für ernsthafte Bergtouren sucht, steht vor der klassischen Frage: maximale Wärme, minimales Gewicht oder kompromisslose Robustheit? Wir haben alle drei Ansätze in Cochamó, Patagonien, unter realen Bedingungen getestet - auf Fels, im Wald, bei Wind und bei Kälte.
Therm-a-Rest NeoAir XTherm NXT
Die Wahl für alle, die bei Kälte kompromisslos schlafen wollen. Höchster R-Wert im Test (7,3) bei nur 540 g in Regular Wide. Ideal für Alpinisten, Wintertouren und hochalpine Biwaks.
Nemo Tensor All-Season
Vier-Jahreszeiten-Matte mit starkem R-Wert (5,4), leisem Liegegefühl und 9 cm Dicke - die komfortabelste Matte im Test. Für alle, die hohe Isolation mit angenehmem Schlafkomfort verbinden wollen, ohne gleich zum Winter-Spezialisten zu greifen.
Therm-a-Rest Z-Lite Sol
Die unzerstörbare Basis. Kein Aufblasen, kein Risiko, kein Stress. Als Unterlage, als Sitzkissen, als Notfall-Schlafmatte oder zum Schlafen am Flughafen. Gehört in jeden Rucksack.
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Klettern und Biwakieren in Cochamó: Wo wir den Isomatten Test durchgeführt haben
Cochamó liegt im Süden Chiles und wird oft als das „Yosemite Südamerikas" bezeichnet - riesige Granitwände, abgelegene Biwakplätze und keine Hütten weit und breit. Wer hier klettert, schläft draußen.
Unser Ziel war der Cerro Trinidad, eine der markantesten Granitwände im Valle de Cochamó. Schon die Anreise war ein Abenteuer: 44 Stunden Reisezeit von München über Madrid nach Santiago, Puerto Montt und schließlich Cochamó. Bereits am Flughafen in Santiago, wo wir ein paar Stunden Schlaf nachholen mussten, kam die erste Matte zum Einsatz - die Z-Lite Sol diente uns als Unterlage auf dem kalten Flughafenboden.
Vom Basislager in Cochamó stiegen wir mit voller Kletterausrüstung und Proviant für drei Nächte zum oberen Biwakplatz auf. Hier, direkt am Wandfuß des Trinidad, schliefen wir unter freiem Himmel auf nacktem Fels - nichts über uns außer dem chilenischen Sternenhimmel und einem hell leuchtenden Mond.
In den folgenden Tagen kletterten wir eine Mehrseillängen-Route am Trinidad mit nassen Seillängen, kaltem Fels und langen Zustiegen, verbrachten einen Erholungstag an einer Gletscherlagune und kletterten eine weitere Tour auf der Rückseite des Berges. Die Nächte verbrachten wir an verschiedenen Biwakplätzen - mal auf offenem Fels, mal unter einem schützenden Felsbrocken im Wald.
Die Bedingungen waren fordernd: feuchter Boden, Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt in der Nacht, Wind und chilenische Stechfliegen, die tagsüber keinen Frieden ließen.
Technische Daten im Vergleich: Gewicht, Packmaß, R-Wert
Eigenschaft
Therm-a-Rest NeoAir XTherm NXT
Nemo Tensor All-Season
Therm-a-Rest Z-Lite Sol
Typ
Aufblasbar
Aufblasbar
Schaumstoff (geschlossenzellig)
R-Wert
7,3
5,4
1,7
Gewicht
540 g (Regular Wide)
420 g (Regular)
410 g (Regular)
Abmessungen
183 x 64 (Regular Wide)
183 x 51 cm (Regular)
183 x 51 cm (Regular)
Packmaß
28 x 13 cm (Regular Wide)
25,5 x 10 cm
51 x 13 x 14 cm (gefaltet)
Dicke
7,6 cm
9 cm
2 cm
Material
30D / 70D Polyamid
20D/40D Polyamid (bluesign)
geschlossenzelliger Schaumstoff
Isolation
ThermeCapture-Beschichtung
Thermal Mirror (Alu-Schicht)
Aluminiumbeschichtung (Sol)
Einsatzbereich
4 Jahreszeiten / Winter
4 Jahreszeiten
3 Jahreszeiten / Unterlage
Extras
inkl. Pumpsack, Packsack, Reperatur-Kit
inkl. Vortex Pumpsack, Laylow Ventil
Ziehharmonika-Faltdesign
Preis
299,00 €
249,00 €
59,99 €
Hinweis: Wir haben die XTherm NXT in der Größe Regular Wide (183 × 64 cm, 540 g) getestet, die restlichen Matten in Regular. Die Regular-Version der XTherm wiegt 440 g bei 183 × 51 cm. Alle Herstellerangaben laut Datenblatt.
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Komfort in der Praxis: Schlaf, Geräusch, Untergrund
Therm-a-Rest NeoAir XTherm NXT
Mariella schlief auf der XTherm NXT in der Variante Regular Wide (183 × 64 cm) und berichtete durchweg positiv. Die breitere Version bietet spürbar mehr Bewegungsfreiheit als die schmale Regular-Variante - gerade auf unebenem Fels ein Vorteil, weil man weniger leicht von der Matte rutscht. Mit 7,6 cm Dicke liegt man auch auf Steinen und Wurzeln bequem. Die Querbaffeln halten den Körper stabil, ein Herunterrollen ist kaum möglich.
Ein bekannter Punkt bei der XTherm-Reihe ist das Geräusch: Die Matte raschelt beim Umdrehen hörbar. In der Stille eines patagonischen Biwaks unter den Sternen fällt das auf. Allerdings gewöhnt man sich schnell daran - nach der zweiten Nacht war es kein Thema mehr.
Nemo Tensor All-Season
Ich schlief auf der Nemo Tensor, und was sofort auffiel: Die Matte ist spürbar leiser als die XTherm. Obwohl auch die Tensor eine Alu-Innenschicht (Thermal Mirror) zur Isolation verwendet, raschelt sie beim Umdrehen weniger - vermutlich dank der unterschiedlichen Baffelstruktur und des dünneren 20D-Materials. Mit 9 cm Dicke ist sie die dickste Matte im Test und bietet entsprechend viel Abstand zum Untergrund. Das Liegegefühl ist stabil, die Tensor fühlt sich weniger „schwebend" an als die XTherm.
Auf dem Fels-Biwakplatz am Trinidad mit der Z-Lite als Unterlage schlief ich erstaunlich gut - trotz Aufregung vor dem nächsten Klettertag und der Kälte. Der R-Wert von 5,4 liegt zwar unter dem der XTherm, aber deutlich über dem, was die meisten Drei-Jahreszeiten-Matten bieten.
Therm-a-Rest Z-Lite Sol
Die Z-Lite ist keine Komfortmatte, das muss man klar sagen. Mit knapp 2 cm Dicke spürt man jede Unebenheit. Aber genau dafür ist sie nicht gedacht. Am Flughafen in Santiago, wo wir nach 44 Stunden Reise ein paar Stunden auf dem Boden schlafen mussten, war sie Gold wert - einfach ausrollen und hinlegen, kein Aufblasen, kein Ventil, kein Risiko.
Am oberen Biwak nutzten wir sie als zusätzliche Unterlage unter den aufblasbaren Matten. Das bringt nicht nur einen spürbaren Komfortgewinn auf hartem Fels, sondern addiert auch den R-Wert der Z-Lite zur Hauptmatte dazu - ein simpler Trick, der bei niedrigen Temperaturen den Unterschied machen kann.
Als wir aus Gewichtsgründen zum höheren Biwakplatz nur die Z-Lite mitnahmen, war der Schlaf erwartungsgemäß weniger erholsam. Aber sie ist so vielseitig - Sitzkissen, Rucksackpolster, improvisierte Unterlage - dass man sie immer dabei haben will.
„Nach 44 Stunden Anreise, kalten Nächten auf Fels und feuchtem Boden merkst du sofort, welche Isomatte nur auf dem Papier gut klingt und welche draußen wirklich funktioniert.“
Moritz Brack - CEO FluxPerfect
Wärmeleistung im Einsatz: Kalte Nächte, Wind, feuchter Boden
Die Nächte in Cochamó waren kalt. Am Biwakplatz am Wandfuß des Trinidad lagen die Temperaturen nachts knapp über null, dazu kam Wind, der ungehindert über den offenen Felsplatz zog. Am zweiten Biwakplatz, unter einem großen Felsbrocken im Wald, war es etwas geschützter, aber der Boden feuchter.
XTherm NXT (R-Wert 7,3)
Die XTherm spielte hier ihre Stärke voll aus. Mit einem R-Wert von 7,3 ist sie für Temperaturen weit unter null ausgelegt, und bei den herrschenden Bedingungen um den Gefrierpunkt war Kälte von unten kein Thema. Mariella meldete in keiner Nacht kalte Stellen - die Matte isoliert gleichmäßig und zuverlässig. Das 70D-Material auf der Unterseite vermittelt zudem ein robusteres Gefühl als die dünnere Tensor.
Nemo Tensor All-Season (R-Wert 5,4)
Mit einem R-Wert von 5,4 ist die Tensor keine Drei-Jahreszeiten-Matte mehr, sondern ein ernstzunehmender Vier-Jahreszeiten-Kandidat. Der Unterschied zur XTherm (7,3) beträgt knapp zwei R-Wert-Punkte – in der kältesten Nacht am offenen Biwakplatz war das nicht spürbar. Mit der Z-Lite als Unterlage und einem guten Schlafsack schlief ich warm genug. Wer regelmäßig bei deutlich zweistelligen Minusgraden unterwegs ist, greift zur XTherm. Für Bedingungen um den Gefrierpunkt - also den Großteil der alpinen und patagonischen Saison - reicht die Tensor problemlos. Mit 420 g wiegt sie zudem 120 g weniger als die XTherm Regular Wide.
Z-Lite Sol (R-Wert 1,7)
Allein bietet die Z-Lite in kalten Nächten nicht genug Isolation für einen erholsamen Schlaf. Ihr eigentlicher Wert in puncto Wärme liegt in der Kombination: Als Unterlage unter einer aufblasbaren Matte addiert sich der R-Wert und die zusätzliche Luftschicht zwischen Boden und Hauptmatte verbessert die Isolierung merklich. Zudem schützt sie die empfindlichere aufblasbare Matte vor spitzen Steinen und Dornen.
Isomatte Test - Haltbarkeit und Reparatur: Wie robust sind die Isomatten wirklich?
Therm-a-Rest Z-Lite Sol: Unzerstörbar
Hier gibt es nicht viel zu sagen – die Z-Lite Sol ist praktisch unkaputtbar. Geschlossenzelliger Schaumstoff kann nicht durchstochen werden, verliert keine Luft und funktioniert auch nach Jahren noch einwandfrei. Wir haben sie auf scharfkantigen Fels gelegt, im Rucksack gequetscht, am Flughafen auf dreckigem Bodenausgerollt - kein sichtbarer Verschleiß. Es ist die eine Matte, über deren Haltbarkeit man sich schlicht nie Gedanken machen muss.
Therm-a-Rest NeoAir XTherm NXT und Nemo Tensor All-Season
Aufblasbare Isomatten erfordern mehr Sorgfalt. Ein spitzer Stein, ein Dorn, ein unbedachter Tritt mit Steigeisen - und die Matte hat ein Loch. In Cochamó hatten wir keine Panne, aber das lag auch daran, dass wir konsequent die Z-Lite als Unterlage nutzten.
Hier unterscheiden sich die beiden aufblasbaren Matten: Die XTherm NXT verwendet 70D Polyamid auf der Unterseite und 30D auf der Oberseite - das ist spürbar robuster als die Tensor mit 40D unten und 20D oben. Gerade auf rauem Fels gibt das dickere Material der XTherm ein sichereres Gefühl. Die Tensor kompensiert das dünnere Material durch ihr geringeres Gewicht (420 g vs. 540 g in Regular Wide) und die bluesign-Zertifizierung - wer auf Nachhaltigkeit achtet, liegt hier vorne.
Beide aufblasbaren Matten lassen sich mit dem mitgelieferten Reparaturkit im Feld flicken. Wichtiger als die Reparatur ist aber die Prävention: Ventil sauber halten, Matte nie direkt auf scharfkantigen Untergrund legen und beim Packen keine spitzen Gegenstände in die Nähe bringen.
Wir haben die Isomatten auf unserer eigenen Kletterreise in Cochamó getestet und nicht von den Herstellernzur Verfügung gestellt bekommen. Alle Einschätzungen basieren auf unserer persönlichen Erfahrung. Die Produkte sind über unseren Shop FluxPerfect erhältlich.
Weitere Fotos vom Klettern in Patagonien
Moritz Brack - Co-Founder FluxPerfect
Moritz Brack ist Mitgründer von FluxPerfect - gemeinsam mit Sasha hat er FluxPerfect ins Leben gerufen, weil es nirgendwo das Gear gab, das am Berg wirklich funktioniert: ohne Schnickschnack, ohne Kompromisse. Moritz ist Bergmensch durch und durch, ob beim Klettern, Skifahren oder draußen in der Natur, er testet jedes Produkt selbst und lebt das, wofür FluxPerfect steht.
FAQ's - Isomatte Test für Klettertouren und Biwaks
Lohnt es sich, eine Z-Lite unter eine aufblasbare Matte zu legen?
Ja, unbedingt. Der doppelte Nutzen - zusätzliche Isolierung durch addierten R-Wert und Schutz der aufblasbaren Matte vor Durchstichen - macht die Kombination gerade auf Fels und steinigem Untergrund sinnvoll. Das Mehrgewicht von ca. 410 g ist bei den meisten Touren vertretbar.
Ist die Therm-a-Rest XTherm NXT zu warm für den Sommer?
Bei hochsommerlichen Temperaturen im Flachland: ja, vermutlich. Aber in den Bergen, wo Nachttemperaturen auch im Sommer schnell einstellig werden, ist die zusätzliche Isolation selten ein Problem. Zu warm ist immer noch besser als zu kalt – aufdecken kann man sich immer, aufwärmen nicht immer.
Wie laut ist die XTherm NXT wirklich?
Lauter als die Nemo Tensor, das ist objektiv feststellbar. Beide Matten verwenden reflektierende Alu-Innenschichten für die Isolation, aber die XTherm raschelt beim Bewegen stärker - vermutlich durch die dickere Materialstärke und die Therma Capture-Beschichtung. Ob das stört, ist individuell verschieden. Nach ein bis zwei Nächten hatten wir uns daran gewöhnt. Für empfindliche Schläfer ist die Tensor die leisere Alternative.
Welche Isomatte für Patagonien?
Für Biwaks in Cochamó oder Torres del Paine empfehlen wir die Kombination aus einer aufblasbaren Matte und der Z-Lite Sol als Unterlage. Die XTherm NXT ist die sichere Wahl für kalte Winterbedingungen, dieTensor All-Season deckt mit R-Wert 5,4 die meisten patagonischen Nächte ebenfalls ab - bei 120 g weniger Gewicht (Regular Wide vs. Regular). Wer nur eine Matte mitnehmen will und Gewicht sparen muss, greift zur Z-Lite - man schläft nicht luxuriös, aber man schläft, und die Matte funktioniert immer.